Fünf Fehler, die ich als Personal Trainer gemacht (und aus denen ich gelernt) habe.

21.05.2014 | Inside

Nachdem ich in meinem letzten Artikel „Fünf Dinge, die Personal Training Kunden am Erfolg hindern“ über die Fehler geschrieben habe, die ein PT-Kunde machen kann, ziehe ich in diesem Artikel Bilanz und erörtere fünf Fehler, die ich selbst in meiner Laufbahn gemacht habe – und was ich aus diesen Fehlern gelernt habe.

1. Zu glauben, dass ein Studium der Sportwissenschaft den Großteil der Materie beinhaltet, die man als erfolgreicher Personal Trainer beherrschen muss.

Nach dem Erreichen meines Diploms im Studium der Sportwissenschaften im Jahr 2009 machte ich mich als Personal Trainer selbstständig, in dem Glauben mit dem abgeschlossenen Studium an einer renommierten Universität und einem zusätzlichen DSHS Personal Trainer Lehrgang ausreichend auf meine zukünftigen Aufgaben vorbereitet zu sein. Schnell merkte ich, dass dem nicht so war. Ich erlebte viele Situationen, in denen ich mit meinem bisherigen Wissen nicht weiter kam, oder bekam Fragen gestellt, die ich nicht zufriedenstellend beantworten konnte. Versteht mich richtig: Ich möchte das Sportstudium hier keinesfalls schlecht reden. Es ist eine gute Grundlage was Anatomie, Physiologie und Biomechanik des menschlichen Körpers angeht. Aber um ein guter Personal Trainer oder gar Strength Coach zu werden, bedarf es viel mehr.

Viele Sportstudenten überschätzen sich maßlos selbst, wenn es um in der Praxis anwendbares Wissen geht, mit dem man bei anderen Menschen (nicht nur bei sich selbst) Ergebnisse hinsichtlich der Optimierung von Leistungsfähigkeit und Körperkomposition produzieren kann. Dies gilt ebenso für einige Professoren, was im deutlichen Gegensatz zu ihrer sichtbar schlechten Körperhaltung und einem teilweise deutlich erhöhten Körperfettanteil steht. Theoretisches Wissen ist schön und gut, aber letztlich geht man auch nicht zu einem Zahnarzt, der schwarze Zähne im Mund hat… Ebenso muss ich auch nicht drei Dekaden auf eine Studie warten, die mir die Effektivität eines Trainings- oder Ernährungsprogramms belegt, welches in der Praxis vielfach erfolgreich angewendet wurde.

In Deutschland werden leider immer noch unsinnige Mythen gelehrt, wie z.B., dass das Knie bei Kniebeugen nicht über die Zehenspitzen geschoben werden darf oder man mit den Oberschenkeln nicht tiefer als parallel zum Boden beugen darf; dass man morgens Kohlenhydrate essen muss um Energie für den Tag zu haben; dass man abends Kohlenhydrate meiden soll um mehr Fett zu verbrennen; dass man durch Ausdauertraining mit niedriger Intensität optimal Fett verbrennt usw. …

Als ich 2010 meinen ersten PICP (Poliquin International Certification Program) Kurs besuchte, wurde mir dort in 3 Tagen mehr Wissen über intelligente Trainingsperiodisierung, Programm Design und strukturelle Balance der Muskulatur beigebracht, als ich bisher irgendwo sonst lernen konnte. In der Folgezeit besuchte ich weitere Poliquin-Seminare (BioSignature und PICP Level 2) sowie viele Seminare bei Wolfgang Unsöld, der auch einer der Lehrer beim ersten PICP Seminar war. Dadurch erweiterte ich meinen Horizont und die Erfolge meiner Kunden maßgeblich.

Philosophien gibt es viele, aber über Erfolg kann man nicht diskutieren. Um erfolgreich zu sein, darf man nie aufhören zu lernen. Ich fing nach meinem Sportstudium an von diesen Lehrern zu lernen, weil sie mit den Kunden und den Sportlern, die sie trainieren, Erfolg hatten und haben.

Fazit: Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden!

 

2. Zu denken, meine Kunden könnten allein durch Training erfolgreich Körperfett reduzieren.

Ich fühlte mich am Anfang meiner Trainerkarriere im Bereich der Ernährung (zu Recht) nicht hinreichend qualifiziert genug, um tiefergehende Ansätze mit meinen Kunden zu verfolgen. Ich dachte für eine sehr kurze Zeit, dass Kohlenhydratreduktion, viel Obst und Gemüse und der Verzicht auf verarbeitete Nahrungsmittel im Großen und Ganzen reichen würden, um einen schlanken und starken Körper zu bekommen. Ich wollte mich deshalb, so wie es leider viele Personal Trainer tun, mit meinen Kunden auf das vermeintlich Wesentliche – nämlich das Training – konzentrieren. Was ich bestenfalls am Rande beachtete, waren der Energielevel der Kunden durch die jeweilige Ernährungsweise (insbesondere das Frühstück), hormonelle Auswirkungen der Nahrungsmittel, Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten, Proteinbedarf in Hinblick auf Entgiftung und Immunsystem sowie die Nahrungsmittelqualität.

Bei URBAN ATHLETES verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz, der Schlaf und Stressmanagement, Ernährung und Entgiftung, sowie das Training umfasst. Einen einzelnen Teil, wie z.B. den Schlaf zu vernachlässigen, hat unweigerlich Auswirkungen auf die Qualität der beiden anderen Teile; in diesem Fall Ernährung und Training.

Fazit: Ein Motortuning ist wertlos, wenn Kraftstoff, Fahrgestell und Reifen nicht darauf abgestimmt sind und man dadurch nicht in der Lage ist, die PS auf die Straße zu bringen.

 

3. Nahrungsergänzungen nur als Option zu betrachten, nicht als Teil der Ernährung.

Im eigentlichen Sinne des Wortes „Ergänzung“ hielt ich zu Beginn meiner Trainerkarriere lediglich einen Proteinshake nach dem Training für sinnvoll. Alle weiteren Ergänzungen hatte ich, mit Ausnahme von Kreatin, weder selbst erfolgreich verwendet noch betrachtete ich sie als notwendig für meine Kunden. Bei meinem ersten Termin bei Wolfgang Unsöld und weitere Recherchen wurde ich eines Besseren belehrt. Die Steigerung sowohl meines eigenen Wohlbefindens und Energielevels als auch das jener Kunden, die bereit waren Nahrungsergänzungen zu nehmen, sowie die beschleunigten Erfolge in Bezug auf Körperfettreduktion machten mir schnell bewusst, dass Nahrungsergänzungen (wie beispielsweise ein hoch qualitatives Multivitamin-/Mineralpräparat) fixer Bestandteil unserer Ernährung sein sollten. Genetik, Umweltgift- und Stresslevel der heutigen Zeit erzeugen einen teilweise drastisch erhöhten Bedarf an Mikronährstoffen, den man alleine durch die Nahrung nicht decken kann. Zudem führten Magnesium und Inositol sowohl bei mir selbst, als auch bei etlichen Kunden innerhalb kurzer Zeit zu wesentlich besserem Schlaf.

Fazit: Oft sind es die unscheinbaren Details, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Um erneut den Vergleich mit einem Auto zu bemühen: Fehlt eine kleine Schraube, fällt das meistens nicht weiter auf. Fehlen mehrere Schrauben, fällt das Auto irgendwann auseinander. Zusätzliche Vitamine und Mineralien sind keine Option, sondern gehören zum Fundament eines gesunden und fitten Lifestyles.

 

4. Die Wichtigkeit von Schlaf und Energielevel für den Erfolg im Training zu unterschätzen.

Guter Schlaf ist die Basis einer leistungsfähigen und belastbaren Psyche und Physis. Ging ich früher oftmals selbst nach 23 Uhr schlafen, weil ich nach Feierabend „noch etwas vom Tag haben wollte“ (was meistens sinnloses TV schauen war), bin ich heute das, was ich zuvor als Frühaufsteher bezeichnet hätte. Früh ins Bett, früh aus dem Bett – sich nach Sonnenauf- und Untergang zu richten entspricht der menschlichen Natur. Künstliches Licht und zu wenig Schlaf hingegen nicht. Mit gutem Schlaf geht alles besser: schnellerer Fortschritt im Training, weniger Appetit auf Süßes/ Kohlenhydrate, niedrigerer Cortisollevel, bessere Blutzuckerwerte, höhere Stressresistenz, größere kognitive Leistungsfähigkeit und effizienteres Arbeiten. Ich verzichte gerne auf ein oder zwei Stunden Fernsehen, wenn ich dafür am nächsten Tag meine gesteckten Ziele erreiche und mich zudem deutlich wacher und leistungsfähiger fühle.

Es ist immer noch schwer, einige Kunden von der Wichtigkeit des Schlafes zu überzeugen. Seit mir diese jedoch bewusst ist, ist es der erste Punkt, an dessen Verbesserung ich mit meinen Kunden arbeite. Guter Schlaf ist das beste und günstigste Supplement auf dem Weg zum Erfolg.

Fazit: Work hard – rest hard! Leistung und Erholung müssen im Gleichgewicht stehen, ansonsten wird die Leistung zwangsläufig schlechter. Nicht die Quantität der Stunden, die wir arbeiten, ist entscheidend, sondern die Qualität. Ebenso ist es mit der Freizeit und dem Schlaf.

 

5. Den Einfluss von Hormonen in Bezug auf die Erfolge in der Veränderung des Körpers unterschätzt zu haben.

Natürlich waren mir durch mein Sportstudium die entscheidenden Einflüsse bekannt, die Hormone auf unseren Körper haben können. Testosteron und Östrogen waren mir ein Begriff, ebenso, dass bestimmte Trainingsformen eine höhere Ausschüttung an Wachstumshormonen hervorrufen als andere.

Nachdem ich jedoch das BioSignature-Seminar bei Charles Poliquin besucht hatte, lernte ich die Bedeutung verschiedener Hormone auf bestimmte Körperregionen kennen, sowie den Nachweis dafür durch die Hautfaltenmessung. Diese Messung ist seitdem fester Bestandteil meines Assessments mit meinen Kunden. Wo früher ein Maßband und eine Waage reichen mussten, habe ich seitdem einen Überblick darüber, ob Kohlenhydratmenge, Schlafqualität, Umweltgifte oder zu geringe Mahlzeitenfrequenz den Erfolg bisher verhindert haben.

Genau wie beim Training bekomme ich nun aussagekräftige Zahlen, die Erfolg mess- und steuerbar machen. Welchen Anteil am absoluten Körpergewicht hat das Körperfett, wie viel ist fettfreie Masse? Werden Ernährungsvorgaben eingehalten oder nicht? Wie gut ist der Schlaf? Diese Faktoren zielgerichtet anzugehen hat den Erfolg mit meinen Kunden drastisch beschleunigt.

Fazit: „You have to measure to manage.” Ein Trainer ohne Buchführung weiß nicht, ob sein Kunde überhaupt Fortschritte macht, oder was ihn daran hindert Fortschritte zu machen. Das gilt nicht nur für die Trainingsgewichte, sondern auch für Körperfett und Magermasse.

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