Welche Entscheidungen würden wir treffen, wenn wir völlig unvoreingenommen und ohne jegliche Einwirkung von Werbung, Medien und (Mis-)Information handeln würden? Was wäre, wenn wir noch in der Lage wären unserem eigenen Gefühl und dem eigenen Verstand zu folgen, anstatt Dinge zu tun, die wir meinen tuen zu müssen? Wie würden wir leben, uns ernähren und uns bewegen?

Gerade in Fragen der Ernährung stehen viele vor dem Problem, dass sie vor lauter Fehlinformation und widersprüchlichen Theorien irgendwann gar nicht mehr wissen, was sie tun sollen. Medien präsentieren täglich neue Diät-Strategien und Wundermittel, wollen uns glauben machen, dass bestimmte Produkte zur Wunschfigur führen und, dass beispielsweise Nutella ernsthaft Bestandteil eines leistungsfördernden Frühstücks von Berufssportlern ist.

Bei Kindern ist dies zum Glück noch anders. Sie schlafen wenn sie müde sind, trinken wenn sie Durst haben und essen, wenn sie hungrig sind. Sie sind in der Lage den Signalen zu folgen, die ihr Körper ihnen gibt. Sie fühlen noch was sie brauchen und wählen instinktiv, was ihnen gut tut – vorausgesetzt, dass sie noch nicht massiv beeinflusst wurden. Schließlich wählen Kinder ihre Nahrung in der Regel nicht selbst, sondern bekommen diese von den Eltern vorgesetzt und werden so geprägt.

Ein schönes Beispiel hierfür, dass mich sowohl beeindruckt als auch gleichermaßen überrascht hat, war die Frühstücksauswahl meiner damals dreieinhalbjähringen Nichte: Im Rahmen eines familiären Anlasses hatte sich meine Familie für ein Wochenende in einem Hotel eingefunden. Das Frühstücksbuffet war mehr als beeindruckend und bot wirklich alles, was man sich an Optionen denken kann. Für die kleinen Gäste gab es sogar (leider) ein extra niedrig aufgebautes Kinderbuffet – voller zuckerhaltiger und ungesunder Sachen. Ich nahm meine Nichte auf den Arm, damit sie auch das „Erwachsenenangebot“ sehen konnte und bin mit ihr einmal um das gesamte Buffet gegangen, damit sie sich einen Überblick verschaffen und ihre Auswahl treffen konnte. Und ihre Wahl hat mich mehr als verwundert.

Statt der ganzen süßen Sachen suchte sie die Dinge aus, die auch ich ihr empfohlen hätte und die perfekt als Kids-Edition des Fleisch-und-Nüsse-Frühstücks durchgehen würden: Ein gekochtes Ei, gebratener Speck, Nüsse und Kirschtomaten. Verwundert hat es mich deshalb, da dies a) nicht das Frühstück ist, was sie normalerweise zuhause bekommt und b) ich nicht vermutet hätte, dass sie trotz der Möglichkeit zur freien Wahl nicht zu etwas Süßem griff. Das im Bild zu sehende Kakaogetränk war die Wahl der Oma, im Glauben dem Kind damit etwas Gutes zu tun…

 

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Was kann man daraus lernen oder ableiten? Viele unserer Verhaltensweise und auch die Wahl der Nahrung ist oft anerzogen. Wer als Kind schon Nutellabrötchen zum Frühstück vorgesetzt bekommen hat, dem wird es schwer fallen, sich irgendwann umzustellen. Viele sind der Meinung, dass sie bestimmte Nahrungsmitel „brauchen“ – und dann heißt es „Ich kann morgens nicht ohne mein Marmeladenbrötchen“ o.ä.. Oftmals ist es aber nur eine Frage der Gewöhnung und dessen, was im Umfeld als „normal“ gilt. So, wie es als typisch Deutsch gilt morgens ein Brot mit Wurst oder Käse zu frühstücken, isst der Franzose sein Croissant, der Brite seine Sausages mit Baked Beans und ein Asiate wiederum eine Suppe – und jeder behauptet vermutlich vom anderen, dass er dessen Frühstück niemals runterbekommen würde. Was ist davon richtig, was ist falsch?

 

Aus unserer Sicht sind folgende Bestandteile für ein gutes Frühstück essentiell: Eine Quelle tierisches Eiweiß und gesunde Fette. So war die Wahl meiner Nichte ideal. Ein gekochtes Ei als Proteinquelle, der gebratene Speck als eine Mischung aus Eiweiß und Fett sowie die Nüsse als Quelle für gesunde Fette. Die Kombination dient der optimalen Unterstützung der Produktion der Neurotransmitter Dopamin und Acetylcholin – die Neurotransmitter, die für Energie, Motivation und eine gute und lang andauernde Aufmerksamkeitsspanne sorgen. Zudem bleibt der Blutzucker konstant, was Heißhungerattacken und Energietiefs vorbeugt. Kurz: Über lange Zeit ein hohes Maß an Energie aufrecht zu erhalten.

Offensichtlich scheint es bei Kindern noch zu großen Teilen zu funktionieren, dass sie wissen, was ihnen gut tut und was nicht. Ich erinnere mich beispielsweise, dass ich als Kind beim gemeinschaftlichen Essen mit der Familie (ich hatte das große Glück, dass meine Mutter in der Regel frisch für die Familie gekocht hat) zuerst das Fleisch, dann das Gemüse gegessen habe, und so lange keine Kartoffeln auf meinen Teller geladen habe, bis meine Mutter mich ermahnte, dass ich aber auch Kartoffeln essen müsse. Viele Jahre später habe ich festgestellt, dass diese Form der Ernährung, die ich damals instinktiv für mich wählte, exakt die ist, mit der ich mich auch heute am besten fühle und mit der ich am leistungsfähigsten bin: So viel Fleisch/Fisch wie möglich mit jeder Menge Grünzeug. Und möglichst nichts anderes.

Ich glaube daran, dass jeder in gewisser Weise den richtigen Instinkt hat, was für den eigenen Körper gut ist und was nicht – und der Körper dies signalisiert, in dem man bestimmte Lebensmittel einfach nicht mag und dementsprechend weglässt, oder zu bestimmten Lebensmitteln tendiert und diese bevorzugt konsumiert. Die Betonung liegt hierbei auf LEBENS-Mitteln. Hierzu zähle ich alles, was auf natürliche Weise in der Natur vorkommt. Cheeseburger und Gummibärchen zähle ich nicht dazu, auch wenn sich sicher viele auf magische Weise davon angezogen fühlen.

Lange Zeit habe auch ich Dinge gegessen, die allgemein als gesund und gut angepriesen wurden – ich diese aber vermutlich nicht für mich gewählt hätte, wenn ich nicht von anderen dahingehend beeinflusst worden wäre. Ich kann nur jedem raten zu versuchen, wieder ein Stück weit mehr auf den eigenen Körper zu hören und darauf zu vertrauen, dass dieser die richtigen Signale sendet – vorausgesetzt, dass sich die Wahl auf unverarbeitete Lebensmittel bezieht.

Für alle, die nicht auf ihr Bauchgefühl hören können oder wollen empfehle ich das Buch „The Genotype Diet“. Dies ist meiner Kenntnis nach das beste Buch um herauszufinden, wie man sich selbst „artgerecht“ ernährt. Für alle, die lesefaul sind und lieber viel Geld ausgeben, gibt es z.B. Bluttests zur Feststellung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten sowie die Möglichkeit von kinesiologischen Austestungen, welche Nahrungsmittel sich für einen eignen und welche man besser meiden sollte.